M 20

 2. 
Hier in dieser öden Heide 
ist das Lager aufgebaut, 
wo wir fern von jeder Freude 
hinter Stacheldraht verstaut. 
Wir sind die Moorsoldaten ... 
3. 
Morgens ziehen die Kolonnen 
in das Moor zur Arbeit hin, 
graben bei dem Brand der Sonnen, 
doch zur Heimat steht der Sinn. 
Wir sind die Moorsoldaten ... 
4. 
Heimwärts, heimwärts jeder sehnet 
sich nach Eltern, Weib und Kind. 
manche Brust ein Seufzer dehnet, 
weil wir hier gefangen sind. 
Wir sind die Moorsoldaten ...
5. 
Auf und nieder gehn die Posten, 
keiner, keiner kann hindurch. 
Flucht wird nur das Leben kosten. 
Vierfach ist umzäunt die Burg. 
Wir sind die Moorsoldaten ... 
6. 
Doch für uns gibt es kein Klagen. 
Ewig kann's nicht Winter sein. 
Einmal werden froh wir sagen: 
Heimat, du bist wieder mein! 
Dann ziehn wir Moorsoldaten 
nicht mehr mit dem Spaten ins Moor. 
Aufgaben
1. Wer könnte mit den "Moorsoldaten" gemeint sein?
2. Hier wird "nur" das Gefangensein und die Arbeit angesprochen. Erkundige dich nach den Hintergründen der Gefangenschaft!
3. Warum schildert der Text nicht die wirklichen Qualen?

Anregungen zum Musizieren:
Die Akkordnamen (Gitarre, Akkordeon o.a.) können als Baßbegleitung (Xylophon o.a.) verwendet werden. Der Refrain ist mit Singstimmen oder anderen Instrumenten zu gestalten.

Erläuterungen
Das Lied war schon im Sommer 1933 im Konzentrationslager Börgermoor im nördlichen Emsland entstanden. Der Dichter des Liedes, W. Langhoff schildert das Lager so: “Eine breite Straße durchläuft das Lager. Rechts und links davon stehen die Baracken, Giebelfrontnach der Straße ... Um das Ganze ein drei bis vier Meter hoher Stacheldrahtzaun. Vierfach, das heißt vier Stacheldrahtwände, in der Mitte ein Patrouillengang für die Wachmannschaft...Der ganze Komplex ist nicht groß. Etwa vierhundert Meter im Durchmesser...Endlose Heide soweit das Auge reicht. Keine romantische Heide. Braun und schwarz, aufgerissen, von Gräben durchzogen..."

Hier waren vor allem Arbeiter (Kommunisten) aus dem Rheinland untergebracht. Mit den Lagern Esterwegen und Neusustrum mußten etwa 10000 Gegner des Regimes Zwangsarbeit leisten. Zu ihnen zählte auch Carl von Ossietzky, der Friedensnobelpreisträger (1935). Hans Eisler, beschreibt: “Die Gefangenen wurden zu Moorarbeiten verwendet, und zwar bestand diese Arbeit in der Anlage von Entwässerungsgräben. Die Gefangenen mußten zwei Stunden zum Arbeitsplatz marschieren und zwei Stunden wieder zurück in die Baracken. Die Arbeit war eine furchtbar schwere, die Gefangenen mußten, bis zu den Knien im Wasser stehend, den ganzen Tag mit schweren Schaufeln die Gräben ziehen ... bekamen aber keine Gummistiefel und keine Handschuhe, so daß sich sehr rasch Krankheiten unter ihnen verbreiteten ... Die Behandlung der Gefangenen war die denkbar härteste, die Verpflegung eine miserable.”

Rudi Goguel, der Komponist schreibt von der Entstehung des Liedes: “... Man schmuggelte mich daher für einige Tage ins Häftlingsrevier, damit ich den Satz zu Papier bringenkonnte...Nach drei Tagen war der Satz fertig...”

Von der Uraufführung berichtet Langhoff: “...Leise und schwermütig begannen einige Kameraden mitzusingen. Sie blickten nicht nach rechts und nach links. Ihre Augen sahen über den Stacheldraht hinweg - dorthin, wo der Himmel auf die endlose Heide stieß...Ich sah den Kommandanten. Er saß da, den Kopf nach unten und scharrte mit dem Fuß im Sand. Die SS still und unbeweglich. - Ich sah die Kameraden. Viele weinten...” 

Nach: Mall, Volker: Die Moorsoldaten. Ein Volkslied aus dem Konzentrationslager. In: Die Unterrichtspraxis, Beilage zur Lehrerzeitung Baden-Württemberg. Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Großbottwar 1988.
Heft 2

Text
Das Lied durfte nur so in dieser Art gemacht werden, es war getarnt. Trotzdem wurde es zwei Tage nach dieser Veranstaltung verboten, doch wünschten es sich immer wieder auch die Wachmannschaften, damit es auf den langen Märschen zum Arbeitsplatz gesungen wurde.

Der Verfasser, Wolfgang Langhoff, wurde 1901 in Berlin geboren; Schauspieler und Regisseur; wurde am 5. März 1933 in Schutzhaft genommen. Er emigrierte nach seiner Entlassung 1934 in die Schweiz und war dort Mitbegründer der antifaschistischen Bewegung “Freies Deutschland in der Schweiz”. Nach 1945 war er Intendant in Düsseldorf, später in Ost-Berlin (gest. 1966). Sein Mitdichter Johann Esser war Bergarbeiter aus Rheinhausen bei Duisburg

Melodie
Diese Moll-Dur-Fassung ist bei deutschen Liedern sehr selten. Die Melodie könnte auf eine der alten Kirchentonarten des Mittelalters zurückgehen. Es scheint aber ein Reiterlied von 1843 hier die Anregung gegeben zu haben.