M 14 Widerstand

Kirchen, Gruppen, Einzelpersonen


Georg Elser - warum steht er nicht im Geschichtsbuch?

Am 8. November 1939 erschütterte den Bürgerbräukeller in München eine heftige Detonation. Teile der Decke und der Galerie stürzten in den Saal, töteten sieben Menschen und verletzten über sechzig weitere, von denen einer später seinen Verletzungen erlag. Der Mann, der die Bombe mit Zeitzünder eingebaut hatte war zu dieser Zeit bereits verhaftet. Es war der schwäbische Schreiner Johann Georg Elser, der versucht hatte, in die Schweiz zu flüchten. Der Mann aber, dem dieser Anschlag aber gegolten hatte, war zehn Minuten vor der Explosion aus dem Saal gegangen. Es war Adolf Hitler, der wegen ungünstigem Flugwetter München mit einem Sonderzug nach Berlin verließ, etwas früher als geplant.
Wer war Georg Elser?
Geboren wurde er am 3. Jan. 1903 in Hermaringen, Kreis Heidenheim. Nach seiner Schulzeit lernte er aber aus gesundheitlichen Gründen statt eines Metallberufes den des Tischlers, um dann in der Weimarer Zeit in verschiedenen Betrieben zu arbeiten. Auch ihn traf die Wirtschaftskrise 1932 hart mit seiner Entlassung. In Königsbronn half er auf dem Anwesen seines Vaters und richtete dort eine kleine Schreinerwerkstatt ein. Nach einer Arbeit bei einem Schreiner wechselte er nach Heidenheim. Dort schaffte es bis zu einem verantwortungsvollen Posten bei Fa. Waldenmaier, wo Pulverplatten und Geschoßzünder hergestellt wurden. Im März 1939 gab er diese Arbeit auf, um sein Attentat vorzubereiten.

Georg Elser las wenig, er war weder Mitglied einer gegnerischen Partei, noch stellte er besondere weltanschauliche Überlegungen an. Er hatte aber selbst miterlebt, daß sich die Lage der Arbeiterschaft während der Hitlerzeit verschlechtert hatte. Die Effektivlöhne lagen bis Ende 1938 unter denen von 1929, der Arbeiter konnte seinen Arbeitsplatz nicht mehr beliebig wechseln, die Hitlerjugend sprengte die Familien, das Verbot der Sekten und der Kirchenkampf waren mit der Religionsfreiheit nicht zu vereinbaren, und er stellte dazu weitere Einschränkungen der persönlichen Freiheit fest. Dazu gewann er aus der Sudetenkrise die Überzeugung, daß die Führung direkt auf einen Krieg zusteuere."Ich wollte ja auch durch meine Tat noch größeres Blutvergießen verhindern", verteidigte sich Georg Elser im November 1939 bei seiner Vernehmung durch die Gestapo.

Georg Elser 
(Aufnahme der Gestapo während 
seiner Haft) 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Aus: Beiheft zum Film: Eine Höllenmaschine für den Führer. Der Widerstandskämpfer Georg Elser. 
Matthias Film. 70184 Stuttgart 1995. Original: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz. Berlin 

Unter größter Geheimhaltung bastelte er zu Hause an seiner Höllenmaschine, deren Zündung durch ein normales Uhrwerk ausgelöst werden sollte und arbeitete 30 bis 40 Nächte im Bürgerbräukeller in München. Dort ließ er sich abendlich einschließen, um nachts an einer Säule eine Höhlung auszukratzen, die er morgens hinter der Holzverschalung wieder verbarg. Den beiseite geschafften Schutt holte er am Mittag in einem Handkoffer ab. Am 7. November überprüfte er noch einmal sein Uhrwerk, um am 8. in Konstanz über die Grenze in Schweiz zu gelangen. Ohne Ausreisegenehmigung wurde er geschnappt und wegen Fahnenfluchtverdacht festgenommen. Durch eine unbeschriebene Ansichtskarte vom Bürgerbräukeller, Aufzeichnungen über Munitionsherstellung u.a. wurde er schließlich überführt, und er gestand.
Daß er nicht sofort hingerichtet wurde, war der Überzeugung Hitlers und Himmlers zuzuschreiben, daß Elser nicht allein gehandelt habe. Die Gestapo in Berlin versuchte mit "verschärften Vernehmungen" vergeblich, die Hintermänner zu erfahren. Elser kam in das KZ Sachsenhausen, später nach Dachau, wo er am 9. April nach Weisung aus Berlin getötet wurde. Starb er mit der Überzeugung, daß das Mißlingen seines Anschlages ein Zeichen für sein unrechtes Handeln war, weil dabei so viele unschuldige Menschen sterben mußten? Er hat dafür schrecklich gebüßt, auch in dem Bewußsein, das Blutvergießen der Kriegsjahre nicht verhindert zu haben, das er richtig vorausgesehen hatte.
Das tragische Schicksal des Einzelkämpfers Georg Elser verdient jedenfalls eine stärkere Beachtung nicht nur aus historischen Gründen. Der einfache "Kunsttischler" aus dem Volke mit seinen Argumenten steht doch auch den meisten näher als der Offizier von Stauffenberg und seine Militärkreise.
Nachruf 
JOHANN GEORG ELSER 
Kunstschreiner 
geboren 4.1.1903 in Hermaringen 
ermordet 9.4.1945 im KZ Dachau 
ER WOLLTE BLUTVERGIESSEN VERHINDERN. 
Seine dreifache Tragik: 
Am 8. November 1939 fehlten 13 Minuten. Anstelle 
des Diktators starben unschuldige Menschen. 
Am 8. November 1939 fehlten ihm dreißig Meter bis 
zum rettenden Boden der Schweiz. 
Im April 1945 fehlten ihm drei Wochen bis zur 
Befreiung des KZ Dachau durch Truppen der USA. 
WIEVIEL LEID WÄRE DER WELT ERSPART 
GEBLIEBEN, WENN SEIN ATTENTAT 
GELUNGEN WÄRE? 
Wir werden uns bemühen, daß ihm ein ehrendes 
Andenken in den Geschichtsbüchern und im 
Herzen unseres Volkes eingeräumt wird. 

GEORG-ELSER-ARBEITSKREIS HEIDENHEIM 
 

Aus: Georg Elser Arbeitskreis. 1989. S.66, Nach Gruchmann,
L. In: Bosch. S.291 ff. und: Georg Elser Arbeitskreis (Hg): Georg Elser.
Gegen Hitler - gegen den Krieg. Heidenheim 1989

Link: Georg-Elser-Arbeitskreis