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Der fluchende Fuhrmann von Siggen Der Mann ohne Kopf Burg Sommersbach Die Windsbraut Die Geisterstelle im Enkenhofer Wald Die Burg Neideck |
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Die Mooshexe
| Ältere Christazhofer und Gottrazhofer wissen noch von einer alten
Frau, die in Gottrazhofen ganz nah an der Argen ein kleines Häuschen
besaß und die man die "Mooshex" nannte. Ich kannte zwar das Häuschen
und den Namen, die Mooshexe selber aber nicht. Meine Nachbarin, geboren
1882, wusste aber von ihr zu erzählen.
Die Mooshexe war eine Bäuerin am Fetzachmoos zwischen Beuren und Urlau, die das ganze Moos als ihr Reich betrachtete. Sie sah es gar nicht gern, wenn andere in ihrem Moos zum Beeren gingen und die blauen Heidelbeeren und die knackigen Preiselbeeren kübelweise nach Hause trugen. Oft kam sie unbemerkt ins Moos, warf die gefüllten Kannen und Gefäße um, zertrampelte die besten Fundstellen und auch die aufgeböckelten Wasen und freute sich über das Schimpfen der Frauen und das Weinen der Kinder, die nun ohne Beeren nach Hause mußten und vielleicht noch Tadel oder Schläge fürs "Nichtstun" bekamen. Später verlor die Bäuerin ihren Hof und mußte zum Betteln gehen. Sie zog weg und man kannte ihren Aufenthalt nicht. Ob es sich um die Bewohnerin des Häuschens an der Argen handelte, wußte man nicht zu sagen. Aber auch heute noch finden Beererinnen oft ihre Sammelgefäße umgeworfen und die Beeren zertrampelt oder den Stecken versetzt mit dem roten oder weißen Kopftuch, mit dem man die Standorte der Gefäße markiert. Andere erzählen, sie hätten einer alten Frau nachgesammelt und viele Beeren gefunden, aber oft hatten sie sich verirrt, steckten vor einem Moosloch und fanden lange nicht mehr zurück zum Weg. Einige glaubten, die Mooshexe müsse für ihre Schandtaten als
Geist im Moos umgehen. Noch in den 30er Jahren sah ich selber oft am Abend
im Fetzachmoos ein Lichtlein hin und her wandern. Aber das hat sich mit
der neuen Zeit verloren. Man geht aber abends nicht gerne ins Moos.
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Der fluchende Fuhrmann von Siggen
(nach
Gebhard Mohr, Stockach, 1970)
Dass Männer, die mit eigensinnigen Pferden zu tun hatten,
früher oft schon recht jähzornig waren, ist bekannt. So war auch
ein Siggener Fuhrmann ein rechter Flucher und machte die Pferde und den
Herrgott gern zum Sündenbock für allerlei Ungerades, das einem
Fuhrmann halt so passieren kann.
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Der Mann ohne Kopf
(nach Gebhard Mohr, Stockach, 1970)
| Wenn man von Schwanden nach Haubach geht, führt der Weg durch
einen Wald. An einer Abzweigung nach Menelzhofen, kurz vor dem Waldrand
bei Haubach, ist heute noch an einer großen Tanne eine große
Tafel angebracht, auf der die armen Seelen im Fegefeuer flehend ihre Hände
zum Himmel erheben. Heute weiß niemand mehr um den Grund und warum
gerade hier dieses Arme- Seelen-Bildstöckel angebracht wurde.
Gebhard Mohr in Stockach, der 1984 als 80jähriger starb, erzählte dazu: Zwei junge Näherinnen aus Sommersbach kamen spät am Abend von der Stör heim und gingen durch den Wald in Richtung Haubach. Plötzlich tauchte hinter ihnen eine große Männergestalt auf, sie kam immer näher, und schon bald erkannten die verängstigten Frauen entsetzt, dass der Mann keinen Kopf hatte. Von panischer Angst ergriffen, rannten sie davon. Als sie an der besagten Abzweigung vorbeihetzten, verschwand, wie vom Erdboden verschlungen, die unheimliche Gestalt. Und später wurden an dieser Stelle Wanderer, aber auch manches Pferdefuhrwerk, von einer unsichtbaren Kraft festgehalten, und man kam nur dann vorbei, wenn ein Gebet für die armen Seelen gesprochen oder wenigstens das Kreuz gemacht wurde. Ein junger Mann aus Spießwengen bei Beuren, der auf dem Weg zur Arbeit hier vorbei mußte, erzählte anfangs der 30er Jahre, wie er versucht habe, mit dem "Schnitzer" in der Hand den Durchgang zu erzwingen. Dabei sei die Klinge mit einem Knall am Heft abgebrochen und wie von großer Hitze blau gelaufen. Seitdem ging er ungern diesen Weg. Q 3 |
Burg Sommersbach (nach
Gebhard Rait, Beuren, und Gebhard Mohr, Stockach, 1935)
| Etwas Märchenhaftes erzählte der Schmied Anton Segler von
Sommersbach, der 1812 geboren war: Zur Schule nach Beuren seien er und
seine Kameraden öfter durch das Rotholz über den Burgberg gegangen.
Da hätten sie einmal in einer Vertiefung einen glänzenden Schatz
gesehen. Es sei eine Menge silberner und goldener Bestecke gewesen, die
pyramidenförmig aufgestellt waren. Stumm hätten sie diese Herrlichkeit
bewundert, aber dann sei ihnen die Angst gekommen und sie seien zur Schule
gerannt. Dort hätten sie ihre Wahrnehmung dem Lehrer erzählt,
der dann nach der Schule mit ihnen ins Rotholz gegangen sei. Sie hätten
aber nichts mehr gefunden und auch die Vertiefung sei nicht mehr zu sehen
gewesen.
Ferner erzählen noch heute Leute von Stockach und Sommersbach, dass früher die Gewitter, die über das Rotholz zogen, dort stehenblieben und oft fürchterlich gehaust hätten. Frau Agatha Übelhör von Stockach ließ dann im Rotholz ein Kreuz errichten, und Herr Kamerer Groß legte in dasselbe eine Heiligenreliquie, die er von der Kapelle in Neideck erhalten hatte. Seitdem ist die obige Erscheinung nicht mehr so auffällig. Unter der Burgstelle liegt eine Wiese mit dem Flurnamen Magdbaindt. Nach der Volkssage war sie ein Geschenk des Burgherrn an seine Lieblingsmagd. Q 3 |
| Wer kennt sie nicht, die Windwirbel, die im frühen Sommer das
leichte Heu von der Wiese hoch in die Luft saugen und die schönsten
Schwaden, zum Laden vorbereitet, in Kürze wieder über die Stoppelwiesen
verteilen. Und wer ein feines Ohr für solche Dinge hat, konnte dazwischen
ein heulendes Gelächter, wie Windsgeheul vor einem Gewitter hören.
"Windsbrut" nannte man den Windschlauch und man hielt das alles für
Hexenwerk um die Menschen zu ärgern. Wer eine Sichel dabei hatte,
konnte die Windsbraut treffen, wenn er sie in den schmalsten Wirbel warf.
Er könnte dann sehen, wer die "Windsbrut" war.
Einer soll einmal extra eine Sichel mitgenommen und geworfen haben. Ein unendlicher trauriger Schrei habe da über dem Heufeld geklungen, und ein Mädchen aus dem Dorf sei tot im Heuschochen (Heuhaufen) gelegen. Der junge Bauer aber sei nie mehr recht im Kopf geworden und sei auch bald ledig gestorben. Er habe wohl das Mädchen nie mehr aus dem Sinn gebracht. Q 3 |
Die Geisterstelle
im Enkenhofer Wald (nach Josefine Fehr, Beuren, 1935)
| Der normale Weg von Enkenhofen nach Uttenhofen zur früheren Mühle
führte schon immer über die Fahrstraße am Burgstall vorbei
und in Richtung Merazhofen. Es gibt auch einen Weg durch den Enkenhofer
Wald, und man erreicht dann hinter dem Berg gleich auch den Weg nach Engelboldshofen.
Doch ist dieser Weg nicht von jedem zu begehen. Mitten im Wald an einer
Wegscheid nach Winterazhofen und Uttenhofen kam man manchmal einfach nicht
mehr weiter.
Die Füße wurden so schwer, eine Enge auf der Brust stockte den Atem, und man kam ohne Grund ins Schwitzen. Hunde, die man dabei hatte, stellten die Haare und knurrten etwas wohl nur für Menschen Unsichtbares an. Doch den meisten, die das Erlebnis hatten, klopfte noch lange das Herz und sie mieden in Zukunft den Weg durch den Wald. Was es mit der Erscheinung für einen Grund hatte, wusste niemand zu sagen. Seit Jahren weiß aber niemand mehr von dieser ehemaligen Geisterstelle. Q 3 |
Die
Burg Neideck (nach Gebhard Rait, Beuren, 1935)
Erst 1890 wurde die Burg Privatbesitz.Damals kauften Dorn von Gumpeltshofen, Bodenmüller und Schuwerk von Enkenhofen das etwa 100 Morgen große Gut. Einen großen Teil behielt Schuwerk. 1892 kam der Rest durch Kauf an Johann Georg Ammann, der in Gottrazhofen ansässig war. Von der Ritterburg, die einst stolz und trutzig ins Argental hinunterblickte, ist leider nur noch wenig vorhanden, und Herr Heinrich, wenn er käme, würde sich wohl in seiner Behausung nicht mehr auskennen. Noch ist der Burggraben da, aber die dicke, schützende Mauer mit ihren Rundtürmen ist verschwunden. Nur an einzelnen Stellen ragen noch scheu ein paar altersgraue Steine empor. Zugbrücke und Eingangstor finden wir nicht mehr, alles ist öd und leer. Nur das Wohngebäude steht noch am alten Platz. In demselben erkennen wir noch den Rittersaal, gefüllt mit Heinzen. Auch die Burgkapelle ist abgebrochen, und Futtertröge stehen an der Stelle der Betstühle. Im Jahre 1713 wurde mitten im Burghof eine andere Kapelle erbaut, und der Pfarrer von Enkenhofen las jede Woche eine heilige Messe darin. 1887 wurde auch sie niedergerissen. Der Besitzer Reisacher hatte sie für baufällig erklärt. Doch soll das Abreißen sehr mühselig gewesen sein, von Baufälligkeit also keine Rede. Der Pfarrer Münst war gerne damit einverstanden, scheute er doch den langen Weg von Enkenhofen zur Neideck. Jeden am Abbruch Beteiligten soll später ein Missgeschick ereilt haben. Reisacher brach bei einer Hochzeit den Fuß, Pfarrer Münst, der bald nach St.Christina übersiedelte, erblindete später. Steine von der Kapelle sollen auch zu einem Schweinestall verwendet worden sein, doch hätten sie kein Glück gebracht. 1984 wurde zur Erinnerung von Anton Ammann an der Stelle der ehemaligen Kapelle aus Grüntenstein ein Marienbildstock errichtet. Von den tiefen Kellern von Neideck soll ein geheimer Gang ins Freie führen. Man hat ihn auch schon betreten. Er führt viele Stufen nach unten und geht dann unter der Argen durch. Sein weiterer Weg ist verschüttet, doch könne man das Rauschen der Argen über sich vernehmen, wenn man ihn betrete. Von dem Gang wird noch 1935 von einem Zimmermann berichtet, der auf der Neideck beschäftigt war. Er habe ihn auch betreten, doch sei ein weiteres Begehen nicht möglich gewesen. Der heutige Besitzer Anton Ammann sagt aber, dass heute von einem Gang nichts mehr zu sehen sei. Es sei alles zugeschüttet. (Hans Briegel) Bild aus: Weitnauer, Alfred: Allgäuer Chronik (Bildband), Kempten 1962 |